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Im falschen System relevant. Der Kampf um das Gesundheitssystem

Datum: 25.10.2020

Uhrzeit: 12:00

Ort: Online

Beschreibung:

[English below] Als im Norden Italiens Anfang März 2020 die Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen stießen, offenbarten die hohen Zahlen von Toten eine Entwicklung, die bezeichnend für viele Lebensbereiche in den letzten Jahrzehnten ist: Das Primat des Profits förderte eine Ökonomisierung aller Lebensbereiche und der Blickwinkel auf die humane Ressource ist vorrangig geprägt von der Frage ihrer finanziellen Verwertung. In Zeiten der Pandemie wird das im Gesundheitssystem tragisch offensichtlich: Selbst die Versorgung Erkrankter soll der finanziellen Verwertung dienen. In Deutschland gab es zwar weniger Opfer, aber die Schwächen des ökonomisierten und zum großen Teil privatisierten Gesundheitswesens wurden auch hier deutlich: vorgehaltene Betten werden im System nicht bezahlt; Intensivbetten sind zwar da, aber nicht genug Personal; statt Kooperation herrscht Konkurrenz. Das Primat der kapitalistischen Ökonomie im Gesundheitswesen macht auf der einen Seite den kranken Körper zu einem Verwaltungsgut, das entsprechend seiner finanziellen Bewertung unterschiedlicher Behandlungsmethoden nach DRGs (Diagnosis Related Groups) unterzogen wird. Und auf der anderen Seite werden auch die Arbeiter*innen in den Kliniken und Arztpraxen maximal ausgebeutet bei – von den meisten Ärzten abgesehen – schlechter Bezahlung. Outsourcing, Kündigungen von Tarifbindung und Betten-Überbelegung sind Alltag in gewinnorientierten, deutschen Krankenhäusern. Am Anfang der Pandemie entdeckte man dann, dass auch das Personal im Gesundheitswesen „systemrelevant“ ist. Das Personal kämpft in Deutschland seit längerem für bessere Arbeitsbedingungen, bessere Bezahlung und gegen die Profitlogik. „Im falschen System relevant“, ist einer ihrer Slogans. Durch die Pandemie sind diese Kämpfe noch grundsätzlicher und zugleich internationaler geworden. Über diese Arbeitskämpfe im Gesundheitssystem und die Systemrelevanz von Pflegepersonal möchten wir uns international austauschen und gemeinsam diskutieren mit: Dr. Rey Biton (Ärztin und Vorsitzende von Mirsham – Medical Residents Union, Israel), Dr. Wassilis Tsapas (Arzt und Mitglied der KIA – Solidarische Klinik Thessaloniki), Judy Sheridan Gonzalez (Vorsitzende der New York State Nurses Association-NYSNA und Krankenpflegerin in der Bronx) und Dr. Nadja Rakowitz (Verein demokratischer Ärzte und Ärztinnen) Die Veranstaltung wird im englischen Originalton per Lifestream über die Homepage der RLS übertragen. Ihr könnt euch hier zuschalten: https://www.rosalux.de/livestream. Falls ihr eine Simultanübersetzung ins Deutsche benötigt, wird es einen Zoom-Link geben (mit begrenzter Teilnehmer*innenzahl), den wir einige Tage vor der Veranstaltung veröffentlichen werden. Fragen können nur hier auf Deutsch wie Englisch über Chat gestellt werden. [English Version] When the clinics in northern Italy reached their capacity limits at the beginning of March 2020, the many deaths revealed a development that has been characteristic of many areas of life in the last few decades: the primacy of profit promoted the economization of the health system, and even the care of the sick should be serve financial recovery. In Germany there were fewer victims, but the weaknesses of the economized and largely privatized health care system became clear here too: beds held in reserve only get not paid; Intensive care beds do exist, but not enough staff; instead of cooperation there is competition. On the one hand, the primacy of the capitalist economy in health care turns the sick body into an administrative asset that, according to its financial assessment, is subjected to different treatment methods according to DRGs (Diagnosis Related Groups). And on the other hand, the workers in the clinics and medical practices are also exploited to the maximum by – apart from most of the doctors – a badly wage. Outsourcing, terminations of collective bargaining agreements and overcrowding of beds are part of everyday life in profit-oriented German hospitals. At the beginning of the pandemic, it was discovered that healthcare personnel are also “systemically relevant”. The staff in Germany has been fighting for better working conditions, better pay and against the logic of profit for a long time. “Relevant in the wrong system” is one of their slogans. The pandemic has made these struggles even more fundamental and at the same time international. We would like to exchange and discuss these labor disputes in the health system and the systemic relevance of nursing staff internationally with: Dr. Rey Biton (Doctor and President of Mirsham – Medical Residents Union, Israel), Dr. Wassilis Tsapas (doctor and member of the KIA – Solidarity Clinic Thessaloniki), Judy Sheridan Gonzalez (president of New York State Nurses Association-NYSNA und nurse from the Bronx) and Dr. Nadja Rakowitz (Verein demokratischer Ärzte und Ärztinnen)

https://www.facebook.com/events/941439089715048/